Ist Wissen wirklich Macht?

Erfahren Sie, was an dem Spruch: „Wissen ist Macht!“ falsch ist und wann Wissen tatsächlich wichtig ist. Zusätzlich zeige ich Ihnen noch, was dies konkret für Ingenieure der Bauteilauslegung bedeutet.

Wissen alleine hilft einem Unternehmen nicht weiter. Warum ist das so, wann ist Wissen wirklich wertvoll und was muss getan werden, dass Wissen wirklich als wertvoll gilt?

Aus meiner Sicht steckt die Antwort im Wörtchen „wertvoll“. Darin steckt die Aussage, dass das Wissen einen Wert generieren muss. Tut es das, ist es wertvoll. Jetzt ist natürlich die Frage, wann wird der Wert generiert?

 

Dazu ein kurzes Gedankenspiel.

Stellen Sie sich vor, sie sind der einzige Wissensträger. Sie alleine verfügen über das gesamte Wissen der Betriebsfestigkeit in Ihrem Unternehmen.

In diesem Fall können nur Sie alle Fragen der Betriebsfestigkeit beantworten. Das Gute daran ist, dass jeder weiß, wer bei Festigkeitsfragen konsultiert werden muss. Der negative Aspekt ist, dass Ihre Ressourcen begrenzt sind, Sie also nicht alle Themen bearbeiten können und dass dieses Wissen mit Ihrem Weggang verschwunden ist. Damit ist ihr Wissen auch ein Risiko!

Um einen richtigen Wert aus diesem Wissen zu generieren und Sie zu einem angesehenen Experten zu machen sind drei Schritte nötig. Drei Schritte zeigt folgende Abbildung schematisch.

 

Das Wissen muss aktuell sein (Expertentum)

Je aktueller das Wissen um die neuesten Methoden der Betriebsfestigkeit ist, umso attraktiver. Dies ermöglicht ein effizientes Auslegen von Bauteilen. Für ein aktuelles Wissen ist neben dem Lesen aktueller Artikel und Forschungsberichte ein reger Austausch mit Experten notwendig. Experten sollten dabei interne (im eigenen Unternehmen) sowie externe (z.B. Hochschulen) Experten sein.

Ein Austausch hilft immer die eigenen Gedanken zu sortieren und Lücken in aufzudecken. Zusätzlich hilft der Austausch natürlich die Betrachtung der eigenen Theorien unter anderen Blickwinkeln.

Außerdem ist es wichtig anwendbare Methoden zu kennen. Anwendbar heist, dass Ihr Unternehmen und dessen Mitarbeiter diese Methoden anwenden können müssen. Oftmals ist es besser einfache, robuste und erprobte Methoden zu verwenden als sehr moderne aber komplizierte. Z.B. ist es oftmals besser nach der FKM Richtlinie Bauteile auf Basis linearelastischer Berechnungen auszulegen, als nach dem örtlichen Konzept auf Basis elastisch-plastischer Spannungen.

Erweitern Sie schrittweise Ihre Auslegungsmethoden. Nehmen Sie sich Zeit, um den Betriebsfestigkeitsnachweis schrittweise auf mehr Bauteile auszuweiten. Es bieten sich hier immer Bauteile an, die überdimensioniert erscheinen. Es kann nie für alle Bauteile ein umfassender Betriebsfestigkeitsnachweis geführt werden.

 

Wissen muss einen Wert haben (Kundennutzen)

Überlegen Sie sich, wer Ihr Kunde ist. Nach Wikipedia ist der Kunde folgendermaßen definiert:

„ein Kunde ist eine Person oder eine Institution, die ein offensichtliches Interesse am Vertragsschluss zum Zwecke des Erwerbs eines Produkts oder einer Dienstleistung gegenüber einem Unternehmen oder einer Institution zeigt.“ Der Kunde ist damit jemand, der bereit ist Geld für Ihre Dienstleistung zu zahlen. Kunden können neben dem Käufer der Produkte auch interne Kunden sein. Z.B. Ihr Vorgesetzter, die Konstruktionsabteilung, der Erprobungsbereich,….

Durch die Befriedigung der Wünsche Ihres Kunden gewinnt Ihr Wissen an Wert. Was bedeutet das konkret?

Ist Ihr Kunde beispielsweise die Konstruktion, dann könnten Sie Konstruktionsregeln bereitstellen, die eine einfache robuste Bauteilauslegung ermöglichen (z.B. Radien immer größer als 3 mm, keine Kerben an dieser Stelle,…).

Falls Ihr Kunde die Erprobung ist, könnten Sie mit Hilfe der Simulation Ausfälle erklären oder eine Raffung der Erprobungen ermöglichen.

Wenn Ihr Vorgesetzter Ihr Kunde ist, weisen Sie den Nutzen Ihrer Arbeit aus. Ideal ist, wenn Sie diesen klar messbar beziffern können. Z.B. das neue Bauteil kann um 10 % leichter gebaut werden oder wir sparen uns 15 % Materialkosten.

Je genauer Sie die Wünsche Ihres Kunden kennen, umso wertvoller werden sie für Ihn. Umso höher steigen Ihr Ansehen und Ihr Expertenstatus!

 

Wissen muss gestreut werden (Potenzierung)

Beginnen Sie so früh wie möglich mit der Streuung Ihres Wissens. Leiten Sie Kollegen an, wie diese einen guten Festigkeitsnachweis führen können. Orientieren Sie sich dabei an den Möglichkeiten des Kollegen und erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihm eine für ihn ideale Lösung. Dies hat zwei Vorteile: zum einen potenzieren Sie Ihr Wissen. Zum anderen erweitern Sie Ihr Wissen, da Sie von den Fragen Ihres Kollegen lernen.

Lehren Sie ihre Kollegen, selber Lösungen zu finden. Dies gibt Ihnen Freiräume, die Sie wiederum nutzen können um für weitere Bauteile neue Auslegungsmethoden zu entwickeln.

Je mehr sie Lehren, umso mehr lernen Sie und umso mehr Freiheiten haben Sie um neues Wissen zu generieren! Zusätzlich steigt Ihr Ansehen bei den Kollegen und Vorgesetzten. 

 

Auf den Punkt.

Das Wissen ist aus meiner Sicht ein Kreislauf, siehe folgende Abbildung.

Der Weg zum Experten der Betriebsfestigkeit

Halten sie Ihr Wissen durch Diskussionen mit Experten aktuell. Orientieren Sie sich bei der Bearbeitung der Aufgaben an Ihrem Kunden (kann Ihr Chef, ein Kollege oder der Kunde Ihrer Produkte sein!) und stellen Sie diesen zufrieden. Je besser Ihnen dies gelingt, umso wertvoller werden Sie für Ihn. Geben Sie Ihr Wissen so schnell wie möglich weiter. Dadurch lernen Sie und schaffen sich Freiräume um Ihr Wissen aktuell zu halten, da sie sich selber vervielfältigen.

Bildquelle: Pixabay (bearbeitet), Lizenz: CC0 1.0
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